{"id":176,"date":"2015-12-02T01:43:01","date_gmt":"2015-12-02T00:43:01","guid":{"rendered":"http:\/\/sebastian-janowitz.de\/?p=176"},"modified":"2016-05-04T00:14:25","modified_gmt":"2016-05-03T22:14:25","slug":"aus-der-schublade-geholt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sebastian-janowitz.de\/?p=176","title":{"rendered":"Aus der Schublade geholt"},"content":{"rendered":"<p>Es war einmal im Jahre des Herrn 2006, da schrieb ein junger Mann, der von einer Karriere als Schriftsteller tr\u00e4umte, seinen ersten Roman.<br \/>\nEin namhafter Verlag hatte zu einem gut dotierten Autorenwettbewerb aufgerufen. In nur drei Monaten schrieb der angehende Autor an seinem Werk und es war f\u00fcr ihn eine Offenbarung. Die Worte flossen ihm nur so aus den Fingern und seine Geschichte wuchs und wuchs. Der Stichtag r\u00fcckte immer n\u00e4her und am zweiten Weihnachtsfeiertag hielt er sein \u00fcber dreihundert Seiten starkes Manuskript in H\u00e4nden. Nach den ersten positiven Reaktionen seiner Testleser und ein wenig \u00dcberarbeitung, befand er seinen Roman f\u00fcr gut gelungen und rechnete bereits mit dem Hauptgewinn. Nach den Feiertagen brachte er sein gut verschn\u00fcrtes Werk, mit vor Stolz geschwollener Brust zur Post und schickte es auf die Reise. Er wartete und wartete und wartete. Aber er verzweifelte nicht, denn es gab ja genug zu tun. Er war sich ja sicher, dass sein Erstling wie eine Bombe einschlagen w\u00fcrde und f\u00fcr diesen Fall wollte er gewappnet sein. Er r\u00e4umte also seinen Schreibtisch auf und arbeitete an der Fortsetzung seines Epos. Der Fr\u00fchling kam und mittlerweile hatte der Jungautor seine Recherchen, die Charakterentwicklung und die Handlungsentwicklung abgeschlossen. Endlich brachte der Brieftr\u00e4ger das sehnlichst erwartete Schreiben vom Verlag, allerdings mitsamt dem Manuskript. Jeder angehende Schriftsteller, der bereits seine Erfahrungen mit Verlagen gemacht hat, wei\u00df, dass das nichts Gutes bedeutet. Wut, Trauer und Selbstzweifel wurden f\u00fcr einige Zeit seine Weggef\u00e4hrten. Entmutigt steckte er sein Manuskript und seine neuen Ideen in eine Kiste und versteckte alles vor der Welt, im tiefsten Winkel seiner dunkelsten Schublade. Die Zeit heilt alle Wunden, so sagt man.\u00a0 Auch der Autor brauchte seine Zeit, bis er sich wieder an den Computer wagte und mit zittrigen Fingern neue Geschichten zu Papier brachte. Er schrieb in dieser Zeit viel. Meist nur f\u00fcr sich und haupts\u00e4chlich kurze Geschichten, denn der Mut f\u00fcr Gro\u00dfes fehlte ihm weiterhin. Langsam gewann er an Selbstsicherheit zur\u00fcck. Er studierte die Arbeitsweisen anderer Schriftsteller und \u00fcbte weiterhin flei\u00dfig, um sich auf sein Comeback vorzubereiten. Manchmal holte er sogar das alte Manuskript aus seinem Karton und las es mit einem lachenden Auge und einem weinenden Auge. Mittlerweile war ihm bewusst, warum sein Erstling damals der strengen Pr\u00fcfung des Verlages nicht standgehalten hatte, trotzdem mochte er die Geschichte und ihre Charaktere immer noch. Im Laufe der Jahre arbeitete er immer wieder mal an dem Manuskript und entwickelte die Geschichte weiter. Sie begleitete ihn, wie ein guter Freund. W\u00e4hrend sich sein Leben und die Welt um ihn herum ver\u00e4nderten, blieb die Geschichte stets bei ihm; und sie wuchs und wurde komplexer, bis sie dem angehenden Schriftsteller zu gro\u00df wurde. Er legte sie sorgf\u00e4ltig in den Karton und stellte sie an ihren Platz zur\u00fcck. Diesmal nicht, um sie zu vergessen, sondern damit sie in Ruhe reifen konnte, &#8211; bis heute.<br \/>\nHeute habe ich sie aus ihrer Schachtel befreit und sie schmeckt wunderbar. Es duftet \u00fcberall nach einem Neustart und ich bin sehr gespannt, was in den vergangenen Jahren aus der Geschichte erwachsen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal im Jahre des Herrn 2006, da schrieb ein junger Mann, der von einer Karriere als Schriftsteller tr\u00e4umte, seinen ersten Roman. Ein namhafter Verlag hatte zu einem gut dotierten Autorenwettbewerb aufgerufen. In nur drei Monaten schrieb der angehende Autor an seinem Werk und es war f\u00fcr ihn eine Offenbarung. 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