{"id":269,"date":"2017-04-11T17:08:56","date_gmt":"2017-04-11T15:08:56","guid":{"rendered":"http:\/\/sebastian-janowitz.de\/?p=269"},"modified":"2017-04-11T17:18:37","modified_gmt":"2017-04-11T15:18:37","slug":"tag-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sebastian-janowitz.de\/?p=269","title":{"rendered":"Tag 9"},"content":{"rendered":"<p>Ich kenne nur wenige Menschen, die wirklich authentisch sind. Ich versuche es zu sein, aber ich bin es noch lange nicht. Fast jeder ist auf der Suche nach seiner wahren Identit\u00e4t. Wahrscheinlich sogar umsonst. Ich habe vor einiger Zeit eine Theorie aufgestellt, die sich in diesem Leitsatz ausdr\u00fcckt: Sei der, der du bist, und du wirst der sein, der du sein willst. Die Idee kam mir, als ich in meinen alten Fotoalben st\u00f6berte. Ein Foto fiel mir dabei auf. Ich war darauf vielleicht zehn oder elf Jahre alt. Es zeigte mich und meine Spielkameraden bei einem Sommernachtsfest der Nachbarschaft. Ich hatte eine Schieberm\u00fctze auf, trug eine Jeansjacke und Jeanshose, au\u00dferdem erz\u00e4hlte ich gerade den j\u00fcngeren Geschwistern meiner Freunde eine Gruselgeschichte. Ich erinnere mich gut daran, weil wir sp\u00e4ter, als wir die Kleinen erschreckten, einen riesen Anschiss kassierten. Doch darauf will ich nicht hinaus. Das Sommerfest liegt jetzt sechsundzwanzig oder siebenundzwanzig Jahre zur\u00fcck, aber eigentlich mache ich heute genau dasselbe; und ich zieh mich immer noch so an. Damals trug ich allerdings die Schieberm\u00fctze, weil ich Detektiv gespielte habe. Tja, und mit meinem Romanmanuskript, von dem ich bereits erz\u00e4hlte und an dem ich im Augenblick arbeite, will ich, jedenfalls im weitesten Sinne, Kindern erschrecken. Also war der Sebastian Janowitz, der heute in seinem B\u00fcro sitzt und Jugendfantasiegeschichten schreibt schon vor langer Zeit da. Warum bin ich heute aber noch nicht ein bekannter Schriftsteller, der seinen ersten Roman mit 12 Jahren ver\u00f6ffentlicht hat? Weil mich eine Welt umgibt, die einem vorgeben und vort\u00e4uschen will, wie man sein Leben richtig f\u00fchrt. In der Werbung sieht man M\u00e4nner mit Sixpack, die tonnenweise Eis schlecken. Frauen mit Idealma\u00dfen, (wobei ich nicht an perfekte Proportionen glaube), die kiloweise Schokolade essen. Erkennt ihr den Widerspruch in der Geschichte. Tja, und dann gibt es noch das Elternhaus, das selbst auf Anpassung konditioniert wurde und diese Werte weitergibt. \u00bbWas sollen die Nachbarn denken?\u00ab Sicher wisst ihr, wovon ich rede.<br \/>\nTja, und wenn man in die Pubert\u00e4t kommt, wird das mit der Sinnkrise und der Identit\u00e4tsfindung erst richtig schlimm. Am \u00fcbelsten ist es in der Schule, wo jeder picklige Vierzehnj\u00e4hrige es angeblich besser wei\u00df, was cool ist. In dieser Zeit ist man st\u00e4ndig hin und her gerissen, zwischen der Stimme in einem, die fl\u00fcstert: \u00bbDu bist gut genau so, wie du bist!\u00ab, und den inneren und \u00e4u\u00dferen Kritikern, die lauthals schreien: \u00bbDu musst das so und so machen, oder willst du ewig der Loser mit den Klettverschlussturnschuhen sein?\u00ab Am besten tr\u00e4gt man Marke. Was hat mich dieser Markenfetischismus genervt, vor allem, weil ich nie irgendwelche Markenklamotten bekommen habe. Da ist nicht richtig, ich trug auch Marke, allerdings von Woolworth, C&amp;A und Secondhand!<br \/>\nEs ist nur meine Meinung und ich will dabei niemanden auf den nietenbesetzten Rocksaum oder auf seine Skaterschuhe treten, aber jede Jugend-Subkultur ist f\u00fcr mich nichts anderes, als ein Exil f\u00fcr all die verlorenen Seelen, die einen Ausweg aus ihrer Teenagerzeit suchen. Manche finden sich wirklich darin selbst, andere gehen damit unter und werden vom Genrekommerz weggeschwemmt.<br \/>\nWorauf wollte ich eigentlich hinaus? Ja, genau. Ich ertappe mich manchmal dabei, wie ich neidisch auf Leute blicke, die ihr Ding durchziehen. Mir fallen jetzt keine anderen Beispiele ein, deshalb nenne ich einfach Rob Zombie, den Musiker und Comicautor ASP, die sich selbst zur Marke gemacht haben. Stephen King z\u00e4hl ich ebenso dazu und sicher gibt es noch viele, viele mehr, die ich benennen k\u00f6nnte.<br \/>\nWie auch immer, wenn mich der Neid packt, dann w\u00e4re ich gerne wie sie. Genau so, wie man sich damals in der Schule gedacht hat, dass man gerne so cool w\u00e4re, wie die aus der Zehnten in der Raucherecke. (Als ich sp\u00e4ter in der Zehnten war, stand ich selbst in der Raucherecke; ergo, ich bin cool und dumm gewesen). Das dauert bei mir eine Stunde oder einen Tag. Irgendwann komm ich wieder zur Besinnung und erinnere mich daran, dass es bei mir noch nie funktioniert hat, jemanden zu imitieren. Am besten l\u00e4uft es, wenn ich mein Ding durchziehe.<br \/>\nSei der, der du bist, und du wirst der sein, der du sein willst. Ich bin so oft es geht authentisch, versuche mich nicht zu verstellen, oder andere zu kopieren. Ich wei\u00df aber auch, dass ich noch ein paar Prozent meines Selbst vor der \u00d6ffentlichkeit verberge, weil ich tief in meinem Inneren die Stimme h\u00f6re: \u00bbWas sollen die Nachbarn denken.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich kenne nur wenige Menschen, die wirklich authentisch sind. Ich versuche es zu sein, aber ich bin es noch lange nicht. Fast jeder ist auf der Suche nach seiner wahren Identit\u00e4t. Wahrscheinlich sogar umsonst. Ich habe vor einiger Zeit eine Theorie aufgestellt, die sich in diesem Leitsatz ausdr\u00fcckt: Sei der, der du bist, und du&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[33,34,35],"class_list":["post-269","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-blog","tag-identitaet","tag-neid","tag-selbstfindung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sebastian-janowitz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/269","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sebastian-janowitz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sebastian-janowitz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sebastian-janowitz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sebastian-janowitz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=269"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sebastian-janowitz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/269\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":272,"href":"https:\/\/sebastian-janowitz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/269\/revisions\/272"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sebastian-janowitz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sebastian-janowitz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sebastian-janowitz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}